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Das historische Post- und Chausseewesen im Dosse-Seen-Land

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Viel Spaß auf die Spurensuche!

 


 

Die Anfänge der Post

 

Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) war die Welt für viele Menschen nur eine Tagesreise groß. Die tägliche Versorgung geschah lokal. Längere Strecken wurden zu Fuß oder mit dem Pferd bewältigt. Die Einführung der Post brachte dem Verkehrswesen, Handel und der Reisemobilität einen deutlichen Schub. Die Welt weitete sich, auch für die Provinz: Auf der Strecke enstanden Posthaltereien, die dem Pferdewechsel und der Rast dienten. Zwischen ihnen fuhren berittene Boten und Postkutschen.

 

Die Postroute Berlin- Hamburg

 

Der große Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620-1688)gründete wenige Jahre nach Regierungsantritt im Jahre 1640 die brandenburgische Staatspost. Er unterstellte alle Botenpost einer zentralen staatlichen Aufsicht und ließ 1649 Verwaltung und Betrieb des ganzen Postwesens vom Staat übernehmen. 1654 beschloss Friedrich Wilhelm die Einrichtung eines eigenen Postkurses nach Hamburg, um seinen Hof mit kulinarischen Delikatessen aus Übersee zu versorgen. Die erste Post fuhr am 03.09.1656 in Hamburg ab und erreichte Berlin am 05.09.1656 zur Mittagszeit.

 

Der Verlauf der „Alten Hamburger Poststraße“ wurde 1832 aufgegeben, nachdem die „Neue Hamburger Chaussee“, die heutige B5 fertiggestellt wurde. Diese Chaussee ist eine moderne „Kunststraße“ und wurde nach der Fertigstellung mit neuen, eigens für diese Chaussee entworfenen und angefertigten Meilensteinen bestückt.

 

Im 19. Jahrhundert erreichte die Postkutschenära ihren Höhepunkt, bis 1846 die Eisenbahnverbindung Berlin- Hamburg eröffnet wurde. Mit dem Bau der Eisenbahn wurde der Klang des Posthorns leiser. Um 1890 verstummten sie schließlich ganz. Die Post wurde zum Nahverkehrsmittel.

 

Im Krämer Forst nordwestlich von Berlin wurde die „Alte Hamburger Poststraße“ wieder rekonstruiert und damit in der Gegenwart nachvollziehbar. Dort wurde auch ein hölzener Armenwegweiser wieder aufgestellt.

 

Postarten

 

Diese unterschiedlichen Postarten gab es:

  • Die „Fahrpost“ beförderte Personen,Pakete und Briefe. Bei den Fahrten über mehrere Tage gehörten Zwischenübernachtungen regelmäßig dazu

  • Die „Reitpost“ transportierte Briefe und Pakete

  • Die „Schnellpost“ mit Briefen und Nachrichten war in der Regelstaatlichen oder kirchlichen Stellen vorbehalten.

  • Auf eigenen Routen, z.B. zwischen Berlin und Hamburg, gab es zudem eine „Küchenpost“, die eigens für die Versorgung des königlichen Hofes mit Lebensmittel bestand.

 

Wusterhausen

 

Da mit dem Postmeistern die Poststationen und auch die Postkursstrecken wechselten, gibt es in Wusterhausen eine Alte und eine Neue Poststraße. Die Wusterhausener Postmeister sind allerdings nicht lückenlos belegt: Im Jahr 1698 wird erstmals ein Postmeister namens Johann Peter Rebentisch genannt, ab 1767 übt Ernst Friedrich Thien das Amt aus. Dessen Sohn Cristian Ferdinand Friedrich Thin, ansässig in der Kyritzer Straße, war 1802-1835 Postmeister und Postkommissar von Wusterhausen.

 

Chausseehäuser

 

An einst wichtigen Straßen stehen noch heute ehemalige Chausseehäuser. Hier kassierte ein Wärter das Chausseegeld, dass zum Bau und Unterhalt der Straßen diente.

 

B5 - Segeletz

 B5 - Bückwitz-Ausbau

 B5 - Wusterhausen/Dosse

 B5 - Heinrichsfelde

 

Kyritz - Perleberger Straße

B103 - Gantikow

 L14 - Lellichow

 

 

Ein markantes Beispiel findet sich in Zernitz Bahnhof. Noch immer ist an diesem Backsteinbau ein kleiner Erker zu erkennen: Das Fuhrwerk hielt vor dem Schlagbaum. Der Wärter streckte aus dem Erker einen Beutel an einem Stab hinaus, damit die Münzen eigeworfen werden konnten. In Zernitz waren sie für die Chaussee über Kyritz und Wittstock nach Wredenhagen gedacht. Die sechs Meilen befanden sich im Besitz einer Chausseebau- Aktiengesellschaft, wie auch andere Straßen. Das Zernitzer Chausseehaus wurde nach der Wende vom neuen Besitzer modernisiert. Noch zu DDR- Zeiten waren seine Bewohner bei der Straßenunterhaltung angestellt.


Das Chausseehaus in Vichel soll einst an der alten Chaussee Berlin- Hamburg am Abzweig Dreetz gestanden haben und wurde im 19. Jahrhundert umgesetzt wegen seines wertvollen Eichengebälks. Es wurde abgerissen und später wiederaufgebaut. Heute befindet sich dort ein Hofladen.


 

Meilensteine in Preußen

 

Meilensteine wurden auf deutschem Territorium im 18. und 19. Jahrhundert aufgestellt. Form und Ausgestaltung der Meilensteine entsprach dem jeweiligen Zeitgeschmack und der Region. Die preußischen Steine sind meist schmuckloser als Meilensteine anderer Regionen und vereinheitlicht gestaltet.

 

Neben den Ganzmeilensteinen gab es an wichtigen preußischen Straßen kleinere, als Halbmeilen-, Viertelmeilen-, Rundsockel und Distanzsteine bezeichnete Wegmarkierungen. Auf ihnen war die Entfernung zum nächst größeren Ort und an der Fernstraße Berlin- Hamburg die Distanz zu diesen Zielen vermerkt.

 

Von der Meile zum Kilometer

 

„5,5km bis kyritz“ steht noch heute auf dem obeliskförmigen Stein bei Wusterhausen in Richtung Heinrichsfelde. Nach der Entfernung wurden die Postentgelte und das Chausseegeld berechnet. Daher war die Entfernungsangabe auf den Meilsteinen sowohl für den Postillion als auch für den Mitreisenden wichtig.

 

In Preußen war das Grundmaß der preußische Fuß = 31,38535 cm. Die preußische Meile entsprach 7,532484 km = 24.000 Fuß.

 

Mit der Einführung des metrischen Systems (1870/1) wurden die europäischen Maße vereinheitlicht. Damit verloren die Meilensteine ihre Bedeutung. Teilweise wurden sie in Kilometerabstände umgesetzt und mit Kilometerangaben versehen oder umfunktioniert.

 

Die Steine waren nun alle zehn Kilometer zu finden. Dadurch, dass die Steine auseinander rückten, wurden etliche überflüssig. Einer der Barsikower Gutsbesitzer kaufte vier dieser historischen Wegweiser. Zwei Ganzmeilensteine ließ er als „Torwächter“ an seinem Anwesen aufstellen,wo sie noch heute, wenn auch stark verwittert, Entfernungsangaben in Meilen und den preußischen Adler tragen.

 

An der Straße der B5 verschwand das Wappentier zu DDR-Zeiten. Insgesamt können sieben Meilensteine in Barsikow bestaunt werden.

 

 

Ganzmeilensteine

Halbmeilenstein

Halbmeilenstein

 

Viertelmeilenstein

Viertelmeilenstein

 

 

Die nächsten Ganzmeilensteine der B5 stehen bei Segeletz, Friesack, Wagenitz, Selbelang, Ribbeck und Nauen. In der Gegenrichtung befinden sie sich bei Mechow, Döllen, Kletzke, Kleinow und Ouitzow. Neben den Meilensteinen säumen bisweilen Wegweiser den Straßenrand. Ein besonderer befindet sich in Metzelthin. Die Herkunft seines roten Sandsteins konnte bis heute nicht gänzlich geklärt werden, vielleicht stammt er sogar aus dem Maingebiet.

 

        

    

B5 - Segeletz

B5 - Bei Wusterhausen/D.

B5 - Mechow

 

    

 

B167 - Bei Ganzer

 B167- Metzelthin

L166 - Bei Garz

 

Alte Poststation in Plänitz

 

In frühere Jahrhunderte zurückversetzt fühlt man sich beim Anblick des historischen Gebäudes mit der markanten Vorlaube. Das restaurierte Fachwerkhaus war die ehemalige Poststation. Hier befand sich ein Haltepunkt auf der Poststraße zwischen Friesack und Havelberg. Wer von den Kutschern schnell weiter wollte, fand für seine Pferde unter der schützenden Vorlaube einen sicheren Platz. Doch oft wechselten hier die Postillione und die Pferde wurden ausgespannt und versorgt oder gewechselt. Sie standen in der heutigen Bauernstube. Für die Reisenden waren solche Zwischenaufenthalte eine Erholung von den Strapazen, die man bei einer Reise in den ungefederten, unbeheizten oder überhitzten Kutschen auf sich nahm.

 

Das genaue Alter des Hauses lässt sich nicht belegen. Genannt wird das Baujahr 1753. Fest steht, dass bereits 1761ein Krüger in Plänitz genannt ist und das Gebäude zu den ältesten im Ort gehört. Als Dorfkrug spielte es stets eine zentrale Rolle im Leben der Bewohner. Ab 1902 lassen sich die Inhaber lückenlos nachweisen.

 

Legende:

 

Meilensteine

 Chausseehaus & Alte Post

1: Ganzmeilenstein bei Wusterhausen/Dosse (B5)

2: Wegweiser in Metzelthin (B167)

3: Ganzmeilenstein in Ganzer

 

Meilensteine in Barsikow

4 & 5: Ganzmeilensteine

6: Halbmeilenstein

7: Halbmeilenstein

8 & 9: Viertelmeilensteine

10: Rundsockelstein (Photo kommt demnächst)

 

11: Wegweiser bei Garz

12: Ganzmeilenstein in Segeletz (B5)

13: Ganzmeilenstein in Mechow (B5)

14: Chausseehaus in Wusterhausen/Dosse (B5)

15: Chausseehaus in Bückwitz-Ausbau (B5)

16: Chausseehaus in Segeletz (B5)

17: Chausseehaus in Vichel (L166)

 

18: Alte Post in Plänitz (K6816)

 

19: Chausseehaus in Zernitz-Bahnhof

20: Chausseehaus Heinrichsfelde (B5)

21: Chausseehaus in Kyritz (Perleberger Straße)

22: Chausseehaus in Gantikow (B103)

23: Chausseehaus in Lellichow (L14)

 

 

 

Weitere Informationen

 

Im Rahmen der Entwicklung einer Wanderausstellung des Landesbetriebes Straßenwesen Brandenburg zum Thema „Chausseen - Alleen - Meilensteine - Chausseehäuser“ wurde 2008 eine Broschüre erarbeitet. Diese detaillierte Broschüre können Sie hier als Pdf Datei herunterladen»

 

Weitere Links zum Thema:

Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg „Chausseen - Alleen - Meilensteine - Chausseehäuser“

Forschungsgruppe Meilensteine e.V.

Meilensteine in Barsikow

Dauerausstellung im Wegemuseum

 

Der Inhalt und die Bilder dieser Internet Seite entstehen aus dem Flyer „Meilenstein-Entdeckerpfad“, welchem 2014 im Rahmen des Sonderausstellungsprojekts „Wege zwischen Preußen und Sachsen“ des Wegemuseums hergestellt wurde. Text: Wegemuseum; Photos: Forschungsgruppe Meilensteine e.V., R. Tille, M. Schimpke, Tourismusverein Dosse-Seen-Land. Vielen Dank an alle Mitwirkende für die Unterstützung.


Tourist-Information Dosse-Seen-Land

Maxim-Gorki-Str. 32, 16866 Kyritz,

Tel.: 033971 523 31

Fax: 033971 737 29

www.dosse-seen-land.de